Miriam Carl Bölük

Folk Lieder aus keltischen und nordischen Ländern sowie durch den Folk inspiriertes Songwriting;
das ist die Klangwelt, in der ich mich bewege.

Alleine die Liedtraditionen Europas sind ein reicher Schatz, aus dem man unendlich schöpfen kann. Aber die Neugierde auf andere Kulturen treibt mich oft auch über die Grenzen Europas hinaus in fernöstliche und orientalische Gefilde.
Weil ich die Vielfalt liebe, habe ich immer in mehreren Bands und Projekten gearbeitet, um spannende Nuancen, Varianten und verschiedene Möglichkeiten auszuschöpfen. In all diesen Projekten sind bisher Lieder von mir eingeflossen und auf CDs mit aufgenommen worden.

Aktuell basteln mein Mann Taner Bölük und ich zusammen mit der Sängerin Heike Mouna Patni-Gentsch an einer CD mit türkischen, kurdischen, albanischen, spanischen aber auch Sámi Liedern und Eigenkompositionen.
Sieben Musikerleben würden bei Weitem nicht reichen, um alles auszuleben, was spannend und spürenswert ist. Es rufen mich auch immer lauter die ganzen eigenen Songs, die noch in der Schublade verharren und endlich aufgenommen werden wollen. Und so wird mir ganz gewiss der Stoff, aus dem Musik gemacht wird, nie ausgehen.





Geboren im schönen Trier und aufgewachsen am Rande der alten keltischen Gegend des Hunsrücks verbrachten wir, mein Bruder meine Freundinnen und ich, als Kinder unsere Nachmittage in den Wäldern. Dort entdeckten wir verwunschene Lichtungen, überwucherte alte Weinberge, einen rostroten eisenhaltigen Bach, Tierskelette, Federn und Krötenlaich.
Mein Vater erklärte uns alles über die Tiere des Waldes, besonders über die Vögel. Und meine Mutter, ständig ein Lied auf den Lippen, setzte sich mit uns zusammen, um Kinderlieder und Volkslieder zu singen.
Mein erstes Instrument war, wie für viele andere auch, die Blockflöte, auf der ich mit 5 Jahren anfing zu üben. Eine solide musikalische Grundlage bildeten 8 Jahre Klavierunterricht. Mein lieber Lehrer Wolfgang Breser hat mir eine starke Technik vermittelt und mich in sein sehr lebendiges Verständnis von Interpretation eingeweiht.

Zum Studieren in Berlin gelandet saß ich klaviertechnisch erst mal auf dem Trockenen
und konnte ein Jahr lang nicht üben.
Bis mir ein blaues Klavier geschenkt wurde... das war der kreative Startschuss zum Schreiben vieler Lieder und der Zeitpunkt für mich, zum ersten Mal weg von der Literatur auf dem Klavier zu gehen und eigene Sachen zu entwickeln.
In diese Zeit fallen auch meine ersten Auftritte, Solo mit Klavier und Gesang mit meinen eigenen Liedern zum Beispiel auf der Fête de la musique, im Wasserturm in Kreuzberg oder auf Ausstellungseröffnungen der bildenden Künstlerin Katja Martin.

Wenig später trat ich dem Frauen Ensemble „Radost“ bei, das sich den vielfältigsten Liedern Osteuropas widmete. "Radost" bedeutet "Freude" und das Singen und Üben besonders der bulgarichen Lieder lieferte mir regelmäßig eine Gänsehaut und eine gute Schulung in mehrstimmigem Gesang, was sich in der späteren Bandarbeit als sehr hilfreich erwiesen hat.

Die Faszination des Nordens und der skandinavischen Musik packte mich auf einer Norwegen Reise rund um den Sognefjord. Dort, wo nach einem Regentag kleine Wasserfälle wie silbernes Haar die dunklen Felsen hinunterstürzen, beginnt man bedingungslos an die Existenz von Feen und Trollen zu glauben, weil man sie überall sehen und spüren kann.

Es erfüllte sich für mich ein Herzenswunsch, als Christopher Daams, der Harfenist und Gründer der Band "Eilean - Celtic Music" mich fragte, ob ich Lust hätte mitzuspielen. Ein Jahr vorher hatte ich die Band live gesehen und habe mir tief im Inneren gewünscht, bei dieser schönen Musik mitmachen zu können. Ein Traum, der Wirklichkeit wurde.

Mit der Band "Cool Masala" haben wir 2006 eine CD produziert, bei der zum ersten Mal selbst geschriebene Lieder von mir, im Folk-Stil arrangiert von Christian Nocon, aufgenommen worden sind.

Meine Unterrichtsstunden in nordindischem Dhrupad Gesang bei der wunderbaren Amelia Cuni haben mich musikalisch enorm gebildet und geformt. Ich durfte, geführt von einer geduldigen und liebevollen Lehrerin, eine Musik kennenlernen, die auf der Naturtonskala basiert und von spannungsvollen und reichen Intervallen sowie rhythmischen Zyklen lebt. Eine versierte Dhrupadsängerin bin ich dadurch nicht geworden, denn das erfordert lebenslange Hingabe zu dieser unglaublich schönen und sehr alten Musikform. Aber über Skalen, Rhythmen und über das Improvisieren habe ich viel gelernt und fühle mich dieser Gesangsform immer verbunden.

Mit der Band "Morann" ging es dann auf eine sehr kreative und sehr intensive Reise quer durch Europas Folktraditionen. In der Besetzung mit Susanna Wüstneck, Thomas Nogatz und Steffen Zeller ist das Album "Finis Terrae" entstanden, sowie Susanna Wüstnecks Film "Volksweisen". Mit Ulrich Herrmann, Lorenz Masé und Manfred Gruber zusammen erweiterte sich das Repertoire zum Weltfolk und die Band formiert sich nun mit vielen Billerbecker Musikern rund um die Sängerin, Musikerin und Filmemacherin Susanna Wüstneck.

Die Band "Brigandu" verwebt keltische Musik mit orientalischer Perkussion und vermischt eigene Lieder mit Traditionals aus Schottland, Irland und Skandinavien.
Ich spielte mit ihnen auf Festivals und Märkten, in Kirchen und Kulturvereinen und wir waren auch schon als Vorband von "Blackmore's Night" zu Gast im Admiralspalast Berlin, im Steintor Varieté in Halle oder auf dem Tambacher Schloss in Coburg. Spannend im wahrsten Sinne des Wortes ist auch das Projekt "Literatur in concert", bei dem Brigandu die Autorin Kathrin R. Hotowetz auf den Lesungen ihres mystischen Harzkrimis musikalisch begleitet.

Gemeinsam mit dem Gitarristen Manfred Gruber gründete ich das Projekt "Tara Mira". Wir brachten Lieder zum klingen, die voller Heilung und positiver Kraft stecken und die von einfacher und tief erlebter Spiritualität erzählen. Von der Kraft, die man in der Natur oder in der Liebe zu anderen Menschen oder zum Göttlichen erfahren kann. Später stieß der Harfenist Christopher Daams noch zu unserer Unterstützung dazu.

Seit Anfang 2016 musste ich aus gesundheitlichen Gründen erst mal vom Bühnendasein Abschied nehmen. Nach einer kreativen Pause konzentriere ich mich nun hauptsächlich darauf, Lieder aufzunehmen, zu entwickeln und zu arrangieren.
Die Pause gab mir auch die Möglichkeit inne zu halten und zurück zu blicken. Dabei erfüllt mich tiefe Dankbarkeit mit so vielen wundervollen Musikern Musik gemacht zu haben und so viele unvergessene Momente erlebt zu haben. Nun geht meine musikalische Reise weiter, sie führt nach innen zu den Wurzeln meiner Kreativität und ich bin selber schon gespannt, was ich dort entdecken werde.